Sonntag, 16. April 2017

Deón

Die normative Ethik ist Ethik im landläufigen Sinne: Sie zielt ab auf die Entwicklung, Entfaltung und Begründung allgemein verbindlicher Aussagen in Gestalt von Prinzipien, Gesetzen, Regeln und Normen. Gesinnungs- und Verantwortungsethik fallen beide in diese Kategorie.

Eine Abgrenzung innerhalb der normativen Ethik
  • ist die zwischen utilitaristischer Ethik, bei der vor allem individuelle wie soziale pragmatische Gründe als Legitimation moralischen Handelns ins Feld geführt werden, 
  • und deontologischer Ethik (griechisch deón: Pflicht), der allein Pragmatismus als Rechtfertigung nicht genügt und die auf die Pflicht zum guten und gerechten Handeln setzt, auch wenn dies zum Nachteil des Handelnden sein sollte.
Quelle: Encarta


Was beschäftigt mich an dieser Differenzierung? 


Ich könnte ein paar Dinge nennen, die einer Haltung - bis hin zu meinem Nachteil meine Pflicht zu erfüllen -, z.B. eine christliche Haltung, eine mitmenschliche Haltung, eine sich engagierende Haltung, sich gegenläufig verhalten. Man würde mir wohl bald in Situationen sagen: "Bist du blöd! Das tu ich mir doch nicht an." Menschen, die nicht helfen mögen, die nicht weitermachen, die an Unfallstellen vorbeifahren und die eher nach Vorteilen ihrer Lage heischen. Formen von Selbstschutz, Bequemlichkeit, Unbedachtheit und falsch herausgenommener "Freiheit". Das aber interessiert mich nicht - es moralisiert zwar, aber das ist mir wenig von Interesse. 

Mich interessiert viel mehr, jenen Menschen, die sich bis hin zum eigenen Nachteil einsetzen, die sich wagen, die sich opfern, die sich engagieren und die bereit sind, das Unmöglich zu versuchen und die bereit sind zu scheitern, mit dieser philosophisch-ethischen Differenzierung zu zeigen, dass es für solches Handeln eine reflektierte Grundlage an Gedanken gibt. Das macht Helfende sofort nicht mehr alleine mit ihrer Tat. Der Text vermittelt: Das menschliche Denken kennt und weiss, wovon du erzählst und was du tust - plus ultra, über dich hinaus - es gibt für dein Tun, vom Entscheid bis hin zur Tat, ein Verstehen.

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incertum.de versteht die Begleitung von Menschen nicht dazu, um das voreilig als 'schwach / schräg / etc' Bewertete aufzulösen oder irgendwie in Positionen des 'Positivistischen' zu verändern.
Incertum - Leben mit innerer Unklarheit, versteht in seinem Gedanken, Menschen, die das Format haben, Unklarheiten mitzutragen und zu leben, in ihrem menschlichen Vermögen zu stärken, bei Bedarf zu klären, ihnen einfach ein Ja und Annahme zu haben, Verständnis, um allenfalls Perspektiven zu erarbeiten, die neue Kraft schenken oder Zweifel bewältigen. 

Wenn mir jemand sagen würde: "Ich bin fürs Heldische zu feige - aber ich sehe / fühle / erkenne und vermag gedanklich zu erfassen, was Not täte, also was gefordert wäre", dem möchte die Haltung der Idee 'Incertum' ein Hort sein. Viele Zustände sind Formen, in denen man mit innerer Unklarheit lebt. Sich alleine schon gedanklich einem Für und Dawider zu stellen ist eine Stärke - und keine Schwäche. Diese Haltung fordert allenfalls einen philosophischen Standpunkt, der über "das Gute" hinaus zu stehen vermag. Das mag ich anbieten. 

Jona Jakob


www.incertum.de
Leben mit innerer Unklarheit