Dienstag, 25. April 2017

Jeder Mensch - ein Mosaik


Jeder Mensch - ein Mosaik. 
Man erkennt das Bild. Nicht jedoch,
woher die Scherben stammen.



Danke an G. Milanollo für die Erlaubnis, die Worte hier publizieren zu dürfen.

Sonntag, 16. April 2017

Deón

Die normative Ethik ist Ethik im landläufigen Sinne: Sie zielt ab auf die Entwicklung, Entfaltung und Begründung allgemein verbindlicher Aussagen in Gestalt von Prinzipien, Gesetzen, Regeln und Normen. Gesinnungs- und Verantwortungsethik fallen beide in diese Kategorie.

Eine Abgrenzung innerhalb der normativen Ethik
  • ist die zwischen utilitaristischer Ethik, bei der vor allem individuelle wie soziale pragmatische Gründe als Legitimation moralischen Handelns ins Feld geführt werden, 
  • und deontologischer Ethik (griechisch deón: Pflicht), der allein Pragmatismus als Rechtfertigung nicht genügt und die auf die Pflicht zum guten und gerechten Handeln setzt, auch wenn dies zum Nachteil des Handelnden sein sollte.
Quelle: Encarta


Was beschäftigt mich an dieser Differenzierung? 


Ich könnte ein paar Dinge nennen, die einer Haltung - bis hin zu meinem Nachteil meine Pflicht zu erfüllen -, z.B. eine christliche Haltung, eine mitmenschliche Haltung, eine sich engagierende Haltung, sich gegenläufig verhalten. Man würde mir wohl bald in Situationen sagen: "Bist du blöd! Das tu ich mir doch nicht an." Menschen, die nicht helfen mögen, die nicht weitermachen, die an Unfallstellen vorbeifahren und die eher nach Vorteilen ihrer Lage heischen. Formen von Selbstschutz, Bequemlichkeit, Unbedachtheit und falsch herausgenommener "Freiheit". Das aber interessiert mich nicht - es moralisiert zwar, aber das ist mir wenig von Interesse. 

Mich interessiert viel mehr, jenen Menschen, die sich bis hin zum eigenen Nachteil einsetzen, die sich wagen, die sich opfern, die sich engagieren und die bereit sind, das Unmöglich zu versuchen und die bereit sind zu scheitern, mit dieser philosophisch-ethischen Differenzierung zu zeigen, dass es für solches Handeln eine reflektierte Grundlage an Gedanken gibt. Das macht Helfende sofort nicht mehr alleine mit ihrer Tat. Der Text vermittelt: Das menschliche Denken kennt und weiss, wovon du erzählst und was du tust - plus ultra, über dich hinaus - es gibt für dein Tun, vom Entscheid bis hin zur Tat, ein Verstehen.

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incertum.de versteht die Begleitung von Menschen nicht dazu, um das voreilig als 'schwach / schräg / etc' Bewertete aufzulösen oder irgendwie in Positionen des 'Positivistischen' zu verändern.
Incertum - Leben mit innerer Unklarheit, versteht in seinem Gedanken, Menschen, die das Format haben, Unklarheiten mitzutragen und zu leben, in ihrem menschlichen Vermögen zu stärken, bei Bedarf zu klären, ihnen einfach ein Ja und Annahme zu haben, Verständnis, um allenfalls Perspektiven zu erarbeiten, die neue Kraft schenken oder Zweifel bewältigen. 

Wenn mir jemand sagen würde: "Ich bin fürs Heldische zu feige - aber ich sehe / fühle / erkenne und vermag gedanklich zu erfassen, was Not täte, also was gefordert wäre", dem möchte die Haltung der Idee 'Incertum' ein Hort sein. Viele Zustände sind Formen, in denen man mit innerer Unklarheit lebt. Sich alleine schon gedanklich einem Für und Dawider zu stellen ist eine Stärke - und keine Schwäche. Diese Haltung fordert allenfalls einen philosophischen Standpunkt, der über "das Gute" hinaus zu stehen vermag. Das mag ich anbieten. 

Jona Jakob


www.incertum.de
Leben mit innerer Unklarheit

Dienstag, 28. März 2017

NZZ-Online Gastbeitrag: Kampf der Torheit - Die Schafe des Erasmus

https://www.nzz.ch/meinung/kampf-der-torheit-die-schafe-des-erasmus-ld.153105

Kampf der Torheit - Die Schafe des Erasmus


Autor: Leopold Federmair

Denken ist eine Frage des Willens zum Handeln.

Was dürfen wir nicht aus den Augen verlieren? Was muss das Primat bleiben? Es sind Fragen nach Dingen, die eher mit Offenheit, Unsicherheit, Unbestimmtheit, mit Dialektik, mit Dialog, mit einem bewussten Nicht-Wissen zu tun haben, zu dem man Ja sagen kann und soll, um sich selbst nicht zur Schlachtbank zu führen.

Auszug: 

Was Mündigkeit im einzelnen bedeutet, kann man in der «Kritik der reinen Vernunft» (Kant) nachlesen. Unter anderem bedeutet sie, dass man versucht, im Gespräch Erfahrungstatsachen zu formulieren und zu respektieren. Der Wahrheitsbegriff der Aufklärung ist nicht dogmatisch, vielmehr fordert er die Bürger auf, sich einer niemals absolut zu habenden Wahrheit im gemeinsamen Gespräch, das durchaus ein Streitgespräch sein kann, zu nähern. Die Unabschliessbarkeit solcher Prozesse ist heute für viele unerträglich geworden, sie verlangen nach raschen, kurzschlüssigen Erklärungen und einfachen Lösungen. - Leopold Feldmair

Die von Feldmair geschriebene 'Unabschliessbarkeit' hält Menschen, also Lebende und Denkende im Zustand ewiger innerer Unklarheit. Sie bringt bestenfalls erhärtete Teilstücke in Verbindung, die dem Bild von Incertum ähnlich werden - der Bruchsteinmauer. 

Ein Aushalten in Unabschliessbarkeit ist eine Haltung - und kein Versagen. - Jona Jakob

 Lesens- und bedenkenswert.

Gastbeitrag in der Neuen Zürcher Zeitung.

Kampf der Torheit - Die Schafe des Erasmus


Autor: Leopold Federmair

Sonntag, 5. März 2017

Zum SPIEGEL-Onlinebeitrag: Niedergang von Demokratie - Warum Populismus nicht die Ursache ist.

Der unten stehende Beitrag bezieht sich reflexiv auf den Beitrag im SPIEGEL von Johannes Tumfahrt, März 2017:


Was der Autor Thurmfart beschreibt liegt auf der Hand, wenn man schon nur die Werteorientierung einer Person, welche Selbstoptimierung betreibt, zu Ende denkt. Das war und ist abzusehen.

Zum Demokratischen gehört die Kraft und Ausdauer, Schwäche mitzutragen. Jetzt können Sie sich mit sich selbst befassen und Ihre eigenen Orientierungen ordnen. Sie drücken damit Ihre Werte aus.

Das macht zum Beispiel sichtbar, dass Siegmar Gabriel fürs Aushalten und Ausharren plädierte, das sprichwörtliche Mittragen von Bürden und "Schwächen", von Anstand und Miteinander, diesem "doofen Wir" - während Schulz wortstark die Zuversicht, neue Chancen, Formen von Glück und Verbesserungen propagiert. Sexy, irgendwie - die Leute folgen ihm. Selbst Frau Merkel ist in der Sache eines hoffnungsvollen Ausblicks zu trüb, zu formlos, da sie am liebsten exakt der Mitte nach die Seilschaft führt, was rüberkommt, als verhindere sie einzig den grösstmöglichen Schaden - auch ein Verdienst, aber ohne viel Aufsehen eben: zu wenig Aussicht, zu angepasst, form- oder profillos halt.

Bild by Jona Jakob / mit Jotter by SonyEricsson P800
Das menschliche Dilemma in der Sache, ob für Unternehmen oder einem selbst, als Mitarbeiterin und Mitarbeiter: Wie aus dieser "Zwickmühle" raus? Ich "muss" optimieren, was meist wettbewerbsorientiert ausgelegt wird. Ich "muss" also gewinnen und andere "Zweite oder Zurückliegende" erzeugen. Mit jeder Marktleaderschaft erzeuge ich "Looser". Wie demokratisch bin ich noch? Welches ist meine Werteorientierung als Mitarbeiter, als Privatperson, als Familienmitglied für die Zukunft meiner Kinder? Welches ist meine Freiheit und welche die aller anderen?

Das oben sind klassische Fragen für die Selbstreflexion, immer und immer wieder. In den persönlichen Antworte zu den Fragen liegt auch Ihr Verständnis der Verantwortung.

Persönlich ertappe ich mich dabei, immer wieder einmal zu denken: "Ok, bis dahin bin ich tot". Das ist schier zynisch, kann ja noch 30 Jahre dauern. Banal ist es auch. Ich kann mich aber 'nach' diesem Gedanken eben auch fragen:
- Was kann mein sinnvoller Beitrag noch sein?
- Wie weit kann ich Formen meines Fatalismus klein und kleinst halten und
- Dinge vorleben, die andere in ihre Zukunft stärken, ermutigen und zu einem Sinnvollen führen?

Ich wünsche einen schönen Sonntag, Beginn einer schönen Jahreszeit. Und die innerlich erarbeitete Reife einer ruhigen Hand für den Herbst ...

Herzlich
Jona Jakob


Samstag, 18. Februar 2017

Freitag, 20. Januar 2017

Hoffnung konjugieren

Sartre: It's hopeless

Beckett: It's beyond hopeless

Kafka: There's plenty of hope, infinite hope, but not for us

Camus: Shameless optimists!

Quelle: Twitter - Jan Mieszkowski ‏@janmpdx


Montag, 16. Januar 2017

Unklarheit wegen 'unterschiedlicher Stimmen' und die Frage: Wer spricht gerade?

Folgende Grafik aus unbekannter Quelle meint übersetzt:



"Es ist unmöglich" - sagt der Stolz.
"Es ist riskant" - sagt die Erfahrung.
"Es ist zwecklos" - sagt die Vernunft.
"Gib der Sache einen Versuch" - sagt das Herz.

Solche Wider'Sprüche sind bei langem nicht das einzige Durcheinander, welches eine innerliche Unklarheit schaffen und aufrechthalten kann.

Neben dem 'Chorus an Kriterien' kann auch eine Gemengelage von personenbezogenen Stimmen in einem eine Situation entstehen lassen, die einem sozusagen in Unklarheit handlungsunfähig macht - oder nicht wirklich glücklich. Man ist sozusagen innerlich zerrissen.

Denn da kann die Stimme der Grossmutter sein, "man solle das Alte stets bewahren". Aber Mutterns Wort in Gottes Ohr: "Richte dich stets zeitgemäss ein, damit du nicht wie eine alte Schachtel wirkst." Der Vater , der seinen Oldtimer restauriert, raunzt: "Wenn man die alten Sachen etwas aufbereitet, können sie in neuem Glanz erstrahlen." Und last but not least drückt der eigene Liebste mit seinem genervten Schweigen aus: "Bring mir nicht all den maroden Scheiss ins Haus; schmeiss das Zeug endlich weg - mach dich frei." So kann es einem gehen, ob bei einer neuen Stelle, einem neuen Parnter/in, beim Autokauf oder beim Entscheid hinsichtlich einer teuren Ausbildung.

Man sieht sich vor lauter innerer Stimmen nicht in der Lage, all den 'Geistern' eine eigene Antwort zu geben, ganz einfach darum nicht, da man sich selber zu wenig kennt. Mangelnde Selbstkompetenz ist keine Schwäche. Sie besteht bei schier allen Menschen, die sich in ihrem Leben wenig mit sich selber beschäftigt haben - vielmehr war es ihnen wohl, erst den Eltern, dann LehrerInnen, einem Meister oder einer Professorin zu folgen, dem Hausarzt, dem Pfarrer, dem Arbeitgeber, dem Vermieter, der Strassenrechtsordnung und einfach allen und allem, die einem sagten, wo es lang geht.

Das kann sehr lange eine wunderbare Komfortzone sein, das Folgen sozusagen 'in Gottes Namen'. Doch dann schlägt das Leben zu: Es stellt einem vor Entscheidungen. Und nun fehlen Ihnen Ihre ganz eigenen Antworten zu Ihnen selbst: es fehlen Ihnen

  • Antworten, was Sie fühlen
  • Antworten, was für Bedürnisse Sie haben
  • Antworten, welche Werte Ihnen wichtig sind
  • Antworten, was Sie verantworten und dafür einstehen
  • Antworten, was Sie von diesem oder jenem halten
  • Antworten, die Sie für sich selber gelten lassen, wenn man Sie zitiert

Gegen diese innere Unklarheit kann ein Coaching für persönliche Entwicklung ein wunderbares Angebot sein, sich meist sehr wohlfühlend mit sich selber zu beschätigen, bis alle von Ihnen eine Antwort erhalten, weil Sie sehen und spüren, was in der Sache, z.B. um der Grosseltern Möbel, Ihre ganz eigene Antwort ist. - Dann fängt es an, dass Sie Ihr eigenes Leben führen. Es ist keine Zauberei, es ist ein Aufwand, den ich JJ mit 1-2 Treffen zu drei Stunden einschätze. 

Aus dem Nähkästchen: Ehemalige Kundinnen und Kunden, die das für sich herausgearbeitet haben, führen mit mir weiterhin eine Diskussion und Reflexion, wenn ihre erarbeitete Orientierung vor neuen Herausforderungen steht. Da hat z.B. eine Klientin 2012 ihre Grundlagen, das Fundament fürs eigene Verstehen, gelegt - und 2017 dann NEU!: ... dass sie mit seinem langjährigen Partner ein Unternehmen gründen könnte. Dann reden wir auf diesem Level weiter, als wären wir schon fünf Treppen seit einst angestiegen. Das ist ein enormer Gewinn, denn ich kenne die Klienten von damals - und die Person kennt sich selber ... eine der besten Ausgangslagen für einen Menschen über sein Anliegen zu diskutieren und ihn seinen Entscheid und seine Pläne entwickeln zu lassen. Coaching pur. 

Wenn also in Ihnen alle meinen, sie müssten Ihr Ohr erhalten, wenn alle meinen, Sie sollten so oder so handeln und ihnen möglichst folgen, wenn Sie das Gefühl haben, "schlecht / nicht liebenswürdig" zu sein, wenn Sie den Stimmen nicht folgen ... dann haben Sie eine 'innere Unklarheit. Das ist und bleibt ok. Sie drehen sich im Kreis - bleibt ok. Sie brechen schier zusammen - bleibt ok. Sie sind seit Zeiten blockiert - bleibt ok. 

Sie wagen sich, anzufragen, ob man das gemeinsam anschauen könnte - damit sind Sie ebenfalls ok. 

Herzlich willkommen.


Nachtrag: 

Wer seine eigenen Grundlagen kennt und sich selber versteht, wer also weiss, wie er/sie "tickt / funktioniert / schaltet / läuft / nicht läuft / reagiert / etc" - wer Selbstkompetenz hat und daher ganz anders ausstrahlt als wer Ungeklärtes, die oder der kriegen auch eine geschäftliche Partnerschaft angeboten, ein Schritt, um mehr Geld zu machen, mehr Power, mehr Sicherheit, mehr Geschäft, mehr Selbstdarstellung und Selbstverwirklichung. Mann / Frau ist gefragt ...

Samstag, 7. Januar 2017

Beherzt sein


"Beherzt ist nicht, wer keine Angst kennt, 
beherzt ist, wer die Angst kennt 
und sie überwindet."

Khalil Gibran (1883-1931)

Dieser Gedanke umfasst, was die Gedanken von Incertum ausmachen: Das Ganze. Wir Menschen haben wohl seit längster Zeit Ängste, Flucht- und Schutzreaktionen. Das ist nicht nur normal, das war immer überlebenswichtig. Angst ist also im Leben dabei.. Es macht keinen Sinn zu meinen, man könne oder müsse sie ausblenden. Viel mehr Gewinnen wir an Kompetenz, Reife und Souveränität, wenn wir unsere Angst annehmen.

Dann nämlich werden wir bewusst handlungsfähig für uns selbst. Wir kennen dann unsere Ängste, welche wir haben, wie sie sich anfühlen, wie stark sie sind und wie wir sie überwinden. Wir können mit ihnen umgehen. DAS ist Selbstkompetenz, egal wie bibbernd wir dann in Höhen taumeln, vor Schlangen zittern, bei Vorstellungen und Reden erröten. Das ist gut und bleibt ok.

Wenn man das selber so betrachten und für sich annehmen kann, so dass man wem anderem sagen kann: "Ja, davor habe ich Angst. Ich gehe so und so damit um." - das ist dann eine so schöne Eigenschaft, welche die eigene Persönlichkeit auszeichnet, ...

... beherzt zu sein - wunderbar.


Incertum versteht sich so:

- Angst oder Schutz bleiben ok.

- Ich bin und bleibe ok.

- Angst ist ein wesentlicher Baustein meines Seins. Ich kann ihn mir 'anschauen', mich damit befassen und an Kompetenz gewinnen. Ich lasse es, uns meine Angst bleibt mir wie eine unbekannte Komponente und damit irgendwie unberechenbar.

- Angst ist aber nicht mein einziger Baustein meiner Persönlichkeit. Daher steht sie in sehr unterschiedlichen Verhältnissen zu meinen anderen Wesenszügen, Stärken und Fähigkeiten. Ich kann lernen, diese zu relativieren.

- Lerne ich den Umgang mit Ängsten, kann ich oft besser
  • Situationen erkennen und analysieren
  • Meine Lage einschätzen
  • Selbstverantwortlich entscheiden, was mir gut tut, was nicht, was riskant ist
  • Ich trage mich also durchaus selbstbestimmt
  • Besonders wichtig: Ich bin weniger blockiert und weiss nicht warum oder wie raus

Ängste bleiben im Menschen eine Form der Unklarheit - und das ist einerseits gut so, und jeder Mensch bleibt mit seinen Ängsten ok. Eine Angst ist ja nicht ein 'Nicht-Können', z.B. morgen zum Vorstellungsgespräch zu gehen oder ein Geschäft zu gründen. Angst ist ein zusätzliches Gefühl von Unsicherheit - wegen Unklarheit - welches unser Können und unsere Fähigkeiten nur erst einmal ausbremst und blockiert. Daher: Ihre Fähigkeiten, Ihr Können, Ihr Ok-Sein ist da. Die Angst ich auch da. Incertum nimmt beides erst einmal an, wie es ist.

Gibran fasst es wunderbar - Was Sie davon für sich handhaben können, leben und meistern, ist Beherztheit. Vielleicht sind Sie lieber beherzt als mutig?



Mittwoch, 21. Dezember 2016

Das Leben lieben und den Tod nicht fürchten - Alexis Sorbas als Antwort auf Berlin oder sonstigen Terror.

Warum sollten wir nicht jetzt von den Griechen lernen? Warum sollte dieser alte wie lebendige Song und Tanz uns nicht einen? Was wäre falsch an dieser Geste? Nichts.

Die Handlung dreht sich um eine Kohlemine auf Kreta, um Freundschaft, Liebe, Selbstmord und Lynchjustiz. Sorbas’ Lebensmotto „Das Leben lieben und den Tod nicht fürchten“ ist das Leitmotiv des Romans. Der Autor entwickelt darin seine Philosophie, nach der wahre Freiheit darin besteht, das Leben mit allen Freuden und Katastrophen zu nehmen, wie es ist, zu kämpfen, auch wenn eine Niederlage droht, und das Beste aus jeder Situation zu machen. (Wiki)


Anthony Quinn
https://www.youtube.com/watch?v=4UV6HVMRmdk

Alexis Sorbas ist zugleich ein philosophischer, ein Entwicklungs- und ein Schelmenroman. Im Zentrum steht die Geschichte der Freundschaft zwischen einem von Selbstzweifeln geplagten, intellektuellen Verstandesmenschen und einem Lebenskünstler, der seinen Gefühlen und Instinkten vertraut und in völligem Einklang mit sich und der Welt lebt. (Wiki)


Anmerkung:

Zeitlebens hat mein Vater versucht, mir beizubringen, beides zu leben, den Verstand und eben das Leben. Das war auch sein eigenster Kampf. Er konnte wie ein Skalpell denken, verlor aber nie seine Seele an Poesie und viel versuchter Blödelei, an der er schallend scheiterte. Es war ein Zerriss - Er war ein Zerriss. Und ich blieb lang ein Unvertehender, weil ich nicht wusste, was ihm zählte: die Kunst des Könnens - oder die Kunst des Nichtschaffens. Mein Vater lehrte mich - unter anderem mit dem Film und der Filmmusik von Alexis Sorbas - zu sein und zugleich zu scheitern. Das klingt auf den ersten Moment hin nicht sehr bedacht und mag heutzutage für Selbstoptimierer schon gruselig klingen. Doch mir scheint, mit jedem besseren Jahr, dass mich mein Vater nicht den Sieg lehrte, sondern das Ganze - das Ganze. 

Das zeichnet mich heute aus und lässt mich, auch in Gedanken an die Schicksale in Berlin, wo wir am 19.12.2016 vermutlich terrorisiert wurden, dass man in Russland in selben Tagen an Chemikalien im Wodka stirbt, in Aleppo unter Beschuss und in Mexiko im Feuerwerk. Wir leben. Und wir sterben. 

Warum aber nicht den 'Sieg' und warum so viel mehr das 'Ganze'? 

Weil der Sieg seine Gefangenschaft bleibt, während das Ganze uns die Freiheit stets erhält.. . 

Jona Jakob

Freitag, 16. Dezember 2016

Gestimmtsein als Weltverhältnis, als Weltgefühl


Die Stimmung überkommt mich:
Wir sind ihr ausgesetzt und
können sie oft nicht begründen

Prof. Heinz Bude in Philosophie Magazin

Bude: Man spricht auch davon, dass "man sich in Stimmung bringt". Dahinter jedoch liegt ein fundamentales Gestimmtsein, ein Weltverhältnis oder auch Weltgefühlt. 

Der Stimmungsphilosoph Martin Heidegger sagt, dass jedes Weltverhältnis gestimmtes Weltverhältnis sei, dass jede Erkenntnis gestimmte Erkenntnis sei. Man komme gar nicht darum herum, in irgendeiner Weise gestimmt zu sein. 

In Philomag 01 / 20'17


Anmerkungen von JJ: Das ist auch eine schöne Stelle, einer positiven Orientierung eine Stelle zu zeigen, dass auch diese in einer Stimmung gesucht und versucht wird. So könnte es einem also auch mal nicht zu gut gehen bzw. man ist missgestimmt - und sucht dann im Positiven eine erhebende Stimmung. 

So gibt es melancholische oder wie jetzt zu Weihnachten besinnliche Stimmungen - und die liegen zwar eher tiefer können aber durchaus positiv oder auch negativ auf einem "wirken". Sie werden grundsätzlich erst einmal empfunden. 

Es gibt für mich die Beobachtung, dass allzu bemühte Positive Menschen auf mich irgendwie so sehr angestrengt wirken, dass ich nicht weniger als ein tiefe Unklarheit vermuten muss. Es macht auch wenig Sinn, sich in irgendwas bis ins Zwanghafte reinzusteigern. 

Sonntag, 11. Dezember 2016

Zitat zu zwei Welten - Leistung und Hingabe


Leistung befriedigt das Ego. Hingabe das Herz.

Quelle: Twitter: @Zeilenbunt


Ein Wort von mir dazu: 

Diese beiden Betrachtungen, es sind zwei, zeigen zwei ganze Welten und Kosmen. Der ersten Welt wird aktuell alle Aufmerksamkeit und Gefolgschaft gezollt. Warum? Weil sie quantitativ und damit messbar ist. Man kann sie mit Masseinheiten zählen. Das beweist anderen, wir gut man ist. 

Die andere Welt ist qualitativ. Das ist nicht fassbar. Das bleibt subjektiv. Sie ist viel intensiver, grenzenloser, freier interpretierbar. Sie bleibt in ihren Worten abstrakt, unfassbar, kaum in Worte zu fassen. Aber Sehnsucht, Hingabe und Leidenschaft sind aktuell am aussterben, werden verkannt und schon schier als 'krank' gemobbt. 

Daher ist es wichtig, dass wir uns die Hingabe, Sehnsucht und Leidenschaft erhalten, wie eine Art aussterbende Tiere oder zerstörte Natur. Denn in der Leistung ist kein Gefühl, auch im Ego nicht. Der Mensch braucht aber Gefühle wie die Luft zum Atmen. Ohne Gefühle geht ein Mensch ein; stirbt. 

Jona Jakob

Mein Dank geht an Petra von @Zeilenbunt in Österreich.

Samstag, 10. Dezember 2016

Die Müden haben derzeit einen schlechten Ruf und einen schweren Stand.


Wer seine eigene Endlichkeit
mit auf der Rechnung hat,
steht immer etwas krumm in der Welt.

Roman Bucheli für NZZ


Am Sonntag, den 11. Dezember 2016 publizierte die Neue Zürcher Zeitung NZZ folgenden Beitrag: 

Die schöpferische Erschöpfung - Zur Verteidigung der Müdigkeit

Die Müden haben derzeit einen schlechten Ruf und einen schweren Stand. Gefragt ist vielmehr der tätige Mensch. Wir sollten die Müdigkeit jedoch nicht geringschätzen. Sie ist schöpferisch aus eigenen Quellen. (kursiv: NZZ)


Autor: Roman Bucheli

Es ist ein wunderbarer Beitrag, der sehr gut zum Thema Incertum passt. Dem Wort 'die Müden' stellt ich meine Ausdrucksweise beiseite. Ich sage zu dem Zustand: innere Unklarheit. 



Donnerstag, 8. Dezember 2016

... was eben an Ungeheuerlichkeit einer gesagt hat.

In einem Restaurant erhebt sich eine grössere Runde von jungen Männern und Frauen. Es ist bezahlt worden, und alle streben in lebhafter Unterhaltung dem Ausgang zu. Doch eine Frau ist sitzen geblieben am Tisch und sinnt dem nach, was eben an Ungeheuerlichkeit einer gesagt hat. Die anderen stehen bereits im Windfang des Lokals, da kommt ihr Mann zurück. Er hat, kurz vor dem Ausgang, bemerkt, dass ihm die Frau fehlt. Aber da steht sie auch schon auf und geht an ihm vorbei durch die Türen.

Botho Strauss in 'Paare und Passanten'

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Incertum Blog: Was Cicero meinte: "...wird es dir an nichts fehlen."


"Wenn du einen Garten und dazu noch eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen." 

Marcus Tullius Cicero († 7. Dezember 43 v. Chr.)




Sonntag, 4. Dezember 2016

Glück und Melancholie oder Lob ihrer Unzeitgemässheit / Über die Karriere zweier Begriffe

Link zum ganzen Beitrag:
http://www.nzz.ch/glueck-und-melancholie-oder-lob-ihrer-unzeitgemaessheit-1.562041

Autor: Laszlo F. Földenyi

 << Le bonheur est une idée neuve en Europe. >> Antoine des Saint-Just

Das 18. Jahrhundert hatte sich das Glück des Menschen auf die Fahne geschrieben. Man meinte jedoch ein anderes Glück als jenes, zu dem als sein Gegenstück die Melancholie untrennbar gehörte. Mit dem neuen Glück sollten die Menschen auch von der Melancholie geheilt werden. 

Doch je universeller das Gebot des «Sei glücklich!» ist, umso grösser ist seltsamerweise das Ausmass des Unglücks auf Erden. Nicht nur weil der Mensch hin und wieder – vor allem in den beiden totalitären Systemen – mit Waffengewalt zum Glück gezwungen werden sollte, sondern auch weil etwas, das unterdrückt wird, umso heftiger wieder ausbricht. Die Melancholie, die Schelling den «Schleier der Schwermut» genannt hatte, hüllte die Welt früher nicht nur ein, sie öffnete auch den Blick für die nie aufhebbare Gebrechlichkeit des menschlichen Lebens. Erst erhält der Mensch sein Leben, ohne darum gebeten zu haben, dann wird es ihm genommen, ohne dass er gefragt wird, ob er einverstanden sei oder nicht. Die Melancholie hat dem Menschen zur Einsicht in diese Gebrechlichkeit, dieses Ausgeliefertsein verholfen, ebenso zu der Erkenntnis, dass sein Leben in einen grösseren Zusammenhang eingebettet ist, den man mit vielerlei Namen versehen kann. Man kann ihn als Gott, als Sein oder auch als Nichts bezeichnen – in jedem Fall handelt es sich dabei um etwas, das bei aller Unfassbarkeit stärker als jenes individuelle Leben ist, das wir unseren Besitz nennen können.

Wenn eine Kultur wie die unsere alles unternimmt, um die Melancholie zu verbannen oder zumindest «unschädlich» zu machen, handelt sie der Melancholie gegenüber verantwortungslos und beraubt auch die Menschen des Erlebnisses einer sie überragenden Transzendenz, der Einsicht, dass der Mensch trotz seiner Grösse und Begabung keinesfalls allmächtig ist. Der permanente Mangel an transzendenten Erlebnissen führt zum Unglücklichsein; und alle Versuche, diesen Mangel durch immer neue Varianten des «Sei glücklich!» zu beheben und durch die allgemeine Verfügbarmachung aller Dinge abzusichern, werden vergeblich sein. Ein solches Unglücklichsein ist nicht identisch mit der Melancholie. Die Melancholie kann den Menschen auch zu Einsichten verhelfen; das Unglücklichsein hingegen macht leer und apathisch.

Sowohl dem Glück als auch der Melancholie wohnt etwas zutiefst Anarchisches, Aufrührendes inne, denn beide entziehen den Menschen dem Griff der Gemeinschaften und isolieren ihn. Das fällt besonders bei der Melancholie auf: Der Melancholiker wird gerade deshalb melancholisch, weil er erkennt, dass ihm niemand die Last seiner Existenz von den Schultern nehmen kann. Und deshalb hat er das Gefühl, in seiner Existenz vollkommen allein gelassen zu sein. Der Melancholiker kann sich an nichts festhalten, ihm ist, als habe ihn die Existenz verstossen. Wer melancholisch ist, bemerkt, dass die Dinge auch ein unbekanntes Gesicht haben. Er wird ein ständiges Heimweh nach jenen unbekannten Gefilden haben, nach denen dieses Gesicht blickt.

Diese unbekannten Gefilde sind jenseits aller Grenzen. Nicht seine Trauer verzeiht die moderne Gesellschaft dem Melancholiker nicht, sondern dass er in seiner Seele diese Grenzen überschritten hat. Eine Voraussetzung der Gemeinschaft besteht darin, dass alle sich dem Mass verpflichten und die Grenzen respektieren. Die Überschreitung von Grenzen ist in jeder Hinsicht «gemeinschaftsfeindlich». Und das gilt auch für die Melancholie. Aber wenn das stimmt, warum nennen wir sie dennoch einen positiven Zustand, ohne den die Welt durchaus ärmer wäre? Weil der Mensch bei Überschreitung der Grenzen auf das unfassbare Fundament seiner eigenen Existenz stösst. Grenzenlosigkeit bedeutet keine Unendlichkeit der Tiefe, der Höhe, der Grösse oder der Entfernung, sondern der Unerschöpflichkeit. Die Melancholie ist das Erlebnis dieser Unerschöpflichkeit. Deshalb ist sie in einer Zeit wie der unseren, in der die «heilige Dreifaltigkeit» von Technik, Ökonomie und Politik für ausnahmslos alles Lösungen bietet, nur schwer zu akzeptieren.

Laszlo F. Földényi / NZZ
Der Teiltext ist aus der NZZ vom 29. September 2007 unter dem Titel erschienen

Samstag, 3. Dezember 2016

Incertum: 'In Wahrheit liegen die Verhältnisse jedoch umgekehrt'

Was das Normale ist, in seiner überwältigenden Macht, bekommt man vielleicht erst beim normalen Scheitern zu spüren, so physisch, so analytisch. Jeder, der einer Trennung oder Zerstörung ausgesetzt ist, erfährt dies als das Negative und als das Besondere, während ihm das Zusammenbleiben als das Positive und das Allgemeine erscheint.

In Wahrheit liegen die Verhältnisse jedoch umgekehrt, und das Negative, das Scheitern, die Trennung, der Irrtum machen das Allgemeine aus, wofür schon Zahlen und Tatsachen sprechen. So ermittelt schliesslich die äusserste Subjektivität des Scheitern den einzig verlässlichen Erfahrungswert für das Wort 'normal', das ja im übrigen ziemlich unnahbar ist.

Botho Strauss

Freitag, 2. Dezember 2016

'And you don't realize it, but you're always falling.'

You're walking. And your don't always realize it,
but you're always falling.
With each stepp, you fall forward slightly.
And then catch yourself from falling.
Over and over, you're falling.
And then catching yourself from falling.
And this is how you can be walking and falling
at the same time.


Laurie Anderson, Musikerin und Künstlerin